37-2005: Herr H. B.

: Herr H.B., geb. 1948, ehemaliger Telekommitarbeiter, erkrankte schlagartig ab Mitte Juli 2005. Es begann mit Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen („wie tausend Nadeln im Kopf“), Konzentrationsstörungen (ständige Fehler beim Maßnehmen) und Schmerzen im Bereich der Schilddrüse. Am stärksten waren die Symptome auf dem Balkon, den er bald mied. Dann kamen hinzu: heiß brennende Schmerzen im Gesicht, am Hals und an den Schultern, Rot- und Braunverfärbung der Haut, sonnenbrandähnliche Flecken im Gesicht und am Körper (entstehend während der Nacht), brennende sowie gerötete Augen, schwerste Schlafstörungen bis hin zu völliger Schlaflosigkeit, Unruhe, Reizbarkeit, Kontrollverlust über das eigene Handeln, Wortfindungs-störungen, Vergesslichkeit, Herzrasen, Blutdruckschwankungen, massiver Haarausfall, nächtliches Schwitzen, ständiger Durst, Gewichtsabnahme von 10 kg in drei Wochen, Taubheitsgefühl der linken Gesichtshälfte, Schleier vor dem linkem Auge, braun-gelbe, fahle Gesichtsfarbe. Bekannte erkannten ihn nicht wieder.
Auf einem Nachbarhaus in 30 m Entfernung war im Juni 2005 ein UMTS-Sender in Betrieb gegangen.
Als er völlig erschöpft war und nicht mehr leben wollte, sorgte seine Frau für einen Ortswechsel zu dem Sohn. Dort verschwanden die Krankheitssymptome nach wenigen Tagen fast ganz.
Bei seiner Ehefrau und vielen Nachbarn traten ebenfalls, nur etwas später, eine Vielzahl von Symptomen auf. Auf Unterschriftenlisten haben 26 Anwohner folgende Symptome vermerkt: brennende, gerötete oder tränende Augen, Nervosität, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, hoher Blutdruck, Juckreiz, Hitzegefühl, Taubheitsgefühle, Ohrenschmerzen, Schwindel und / oder Übelkeit, Gelenkschmerzen und Muskelschmerzen. Sechzehn Familien haben den Oberbürgermeister schriftlich um Hilfe gebeten. Besucher bei Ehepaar B. klagten nach einer halben Stunde über Unwohlsein, Benommenheit, Kopfschmerzen und brennende Augen und kamen daher nicht mehr.

Herr B. brachte feinmaschige Fliegengitter und Metallfolien zur Abschirmung an. Da dies nur geringfügige Erleichterung brachte, hielt er sich ab Dezember 2005 überwiegend im Keller auf. Die wegen unerträglicher Kopfschmerzen durchgeführte Untersuchung beim Neurologen ergab keinen pathologischen Befund.

Die Eheleute B. wandten sich in ihrer Notlage gemeinsam mit weiteren Anwohnern telefonisch und schriftlich an folgende Personen und Behörden: Oberbürgermeister von Völklingen, Vodafone, Gesundheitsamt Saarbrücken, LfU, Minister für Justiz, Gesundheit und Soziales Herrn J. Hecken, Bundesnetzagentur, Hausbesitzerin des vermieteten Daches, Landtagsabgeordnete, Bundestags-abgeordnete, Landesärztekammer, Bundesamt für Strahlenschutz und Medien.

Der Bundestagsabgeordnete O. Schreiner besuchte das Ehepaar und schrieb daraufhin am 24.03.2006 an Vodafone: „...Herr und Frau V. sowie weitere dazu geladene Nachbarn trugen vor, dass sich bei ihnen nur einige Wochen nach der Inbetriebnahme eines Mobilfunksenders in der unmittelbaren Nachbarschaft verschiedene Krankheitssymptome eingestellt hätten, die so schwerwiegend seien, dass sie sich nur noch vorübergehend im jeweiligen Haus aufhalten könnten. Die Betroffenen seien bis zur Inbetriebnahme der Anlage weitgehend beschwerdefrei gewesen, so dass ein ursächlicher Zusammenhang der Inbetriebnahme der Anlage und der Beschwerden auf der Hand liege. Ich selbst mag auf Grund fehlender Fachkenntnis die Vorgänge nicht beurteilen. Gleichwohl habe ich bei dem Besuch den Eindruck gewonnen, dass es sich bei den Betroffenen nicht um „eingebildete Kranke“ handelt....Aus den genannten Gründen bitte ich darum, die Mobilfunkanlage aus dem dichten Wohngebiet in einen anderen Standort umzusetzen.“

In der Folgezeit traten an Pflanzen (Bäumen, Zimmerpflanzen, Tomaten) Schäden auf. Wellensittiche und Kanarienvögel verstummten und starben. Singvögel verschwanden aus den Gärten auf der Senderseite. Die Mobilfunkimmissionen erreichten bei einer am 27.07.07 im Auftrag des BfS durchgeführten Messung maximal 1,2% des Feldstärkegrenzwertes der 26. BImSchV. Daher lehnte Herr Dr. Weiss, BfS, trotz wiederholter Bitten von ärztlicher Seite Vorortuntersuchungen mit folgender Begründung am 21.09.07 ab: „ Unter Berücksichtigung des aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstandes wäre es fahrlässig, die beschriebenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Eheleute B. ursächlich auf das Einwirken der schwachen elektromagnetischen Felder der auf dem benachbarten Grundstück errichteten UMTS Mobilfunksendeanlage zurückzuführen. Ich appelliere daher eindringlich an Ihre Verantwortung als Medizinerin, bei der Suche nach Ursachen für die Beschwerden der Eheleute auch andere mögliche Erklärungen zu berücksichtigen.“

Die Frage, welcher wissenschaftliche Kenntnisstand ihm über Dauerexposition mit UMTS vorliege, hat Dr. Weiss nicht beantwortet. Der Fall des Ehepaares B. war dem BfS aus einem Schreiben des Ärztlichen Qualitätszirkels vom 07.12.2005 an den Bundesumweltminister Gabriel bekannt. Eine ausführliche umweltmedizinische Kasuistik lag dem BfS seit 07.05.2007 vor.
Da das Haus unverkäuflich ist, lebt das Ehepaar bis heute in 30 m Entfernung von dem Sender. Bei beiden Eheleuten kommt es zu Hause zu Blutdruckentgleisungen bis zu 200/110 mmHg.

36-2005: Herr M. K.
38-29.05.2006: Tann/Rhön