35-2004: Mädchen B. W.
Das Mädchen B.W., geb. 1994, begann unter Schlafstörungen und Tagesmüdigkeit zu leiden. Während eines Skilagers im Dezember 2006 hatte sie keinerlei Schlafprobleme, war körperlich fit und leistungsfähig. Ab 2007 kamen weitere Symptome hinzu: Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrationsstörungen, Verlangsamung, Muskelschmerzen, Muskelkrämpfe, Übelkeit, Schüttel-frost. Da die Schlafprobleme zu Hause unerträglich wurden und rätselhafte Unterschiede in Abhängigkeit vom Zimmer auftraten, wurden im März 2007 Messungen der elektromagnetischen Felder veranlasst. Diese Messungen zeigten Hochfrequenzimmissionen ausgehend von DECT-Telefonen und von Mobilfunksendern an. Das eigene DECT-Telefon wurde umgehend nachts abgeschaltet und später ganz abgeschafft. Der Schlaf besserte sich etwas. Ab Oktober 2007 wurden die Kopfschmerzen oft unerträglich. Nach der Schule musste sich B. total erschöpft mehrere Stunden hinlegen. Immer häufiger konnte sie die Schule nicht besuchen. Eine Untersuchung des Kopfes mittels MRT war unauffällig.
Im Januar 2008 brachte die verzweifelte Mutter ihr leidendes und erschöpftes Kindes für zwei Wochen zu den Großeltern in einen Ort in der Nähe von Hammelburg. Erstaunlicherweise war B. dort nach wenigen Stunden beschwerdefrei. Im Februar 2008 folgten erneute Versuche am Unterricht in Aschaffenburg teilzunehmen, die jedoch wegen erheblicher Symptome immer wieder für mehrere Tage unterbrochen werden mussten. Daher brachte die Mutter im März 2008 das Kind erneut zu den Großeltern. Dort war B. war wiederum sofort wohlauf. Bei Betreten von Geschäften oder Einkaufs-zentren kommt es sofort zu Kopfschmerzen, Schwindel und Schwäche, die zum Verlassen zwingen.
Eingehende Blutuntersuchungen bei einem Umweltmediziner wiesen Störungen im Immunssystem (Autoantikörper gegen Zellkerne, ZNS-Antigene, Serotonin, Ganglioside, Antikörper gegen Borreliose), Störungen der Schilddrüse, des Calcium-Stoffwechsels und Antikörper gegen Pilze nach.
Da weitere Schulbesuche nicht möglich waren, lebte B. ab Ende Mai 2008 bei den Großeltern.
Um die Ätiologie der Beschwerden zu klären, trug B. an mehreren Tagen das Dosimeter ESM 140 der Firma Maschek. Die Hochfrequenzimmissionen betrugen im Klassenzimmer, 2.OG, bis zu 10.000 µW/m² und in der Aschaffenburger Wohnung bis zu 3000 µW/m². Im Kunstsaal, der sich im Erdgeschoss befindet und in welchem B. in der Regel keine Beschwerden hatte, lagen die Werte bis auf einem kurzen Spitzenwert von 150 µW/m² unter 40 µW/m². Mit Hilfe des Dosimeters wurde ein funkarmes Internat gesucht (Außenbereich unter Nachweisgrenze von 20 µW/m²). Das Internat war erfreulicherweise bereit die ständig sendenden DECT-Telefone zu ersetzen. Seit September 2008 besucht B. dieses Internat und sie ist dort weitgehend beschwerdefrei. Schon ein Spaziergang zum Bahnhof (Sender vorhanden) führte jedoch sofort zu Erschöpfung und Kopfschmerzen. Da B. sich dringend wünschte, Weihnachten zu Hause mit der Familie zu feiern, war sie über die Weihnachtsfeiertage in Aschaffenburg. Da sie jedoch wieder sehr stark reagierte, fuhr die Mutter mit ihr zu den Großeltern.